Gibt es einen Plan für ein neues Wirtschaftswunder in der Landwirtschaft?

Dirk Gieschen
Welchen Beitrag kann die Agrarbranche für Wirtschaft und Gesellschaft leisten? Diese Frage stellte sich Dirk Gieschen beim Lesen der Handelsblatt-Jubiläumsausgabe zum 80. "Geburtstag" der Zeitung und zog daraus spannende Schlüsse für die Landwirtschaft.

Dirk Gieschen

Agrarexperte und Berater

Sein Kommentar auf LinkedIn dazu:

Handelsblatt-Bauplan: Wow – endlich gibt es für Deutschland einen „Bauplan für ein neues Wirtschaftswunder“, veröffentlicht vom Handelsblatt als Jubiläumsausgabe zum 80. „Geburtstag“. Herzlichen Glückwunsch. Eine inspirierende Top-Leistung der Redaktion, absolut lesenswert!

Landwirtschaft & Wirtschaftswunder? Meine Fragen beim Lesen: „Gibt es damit auch schon einen Bauplan für das neue Wirtschaftswunder in der Landwirtschaft? Welchen Beitrag kann die Agrarbranche dafür leisten?“ Auf den ersten Blick ist der Handelsblatt-„Bauplan“ eine Tech-Agenda für Industrie, KI, Halbleiter und Kapitalmärkte. Aber wenn wir diesen Ball geschickt annehmen, dann kann er eine echte Steilvorlage für die Landwirtschaft sein.

Mein Ansatzpunkt: Die Landwirtschaft und die mit ihr verbundenen Branchen wie z.B. Landtechnik, Pflanzenzucht, Tierzucht und Bioökonomie (wie z.B. nachwachsende Rohstoffe) sowie erneuerbare Energien haben klare Potenziale, Wertschöpfungsketten besonders im ländlichen Raum stärken zu können. Richtet man den Fokus auch auf die Stärkung der Resilienz, z.B. bei der Ernährungssicherung, dann bieten sich Wachstumspotenziale über die diskutierten Hightech-Branchen hinaus.

Zukunftsfeld statt Kostenstelle: Was ist dafür entscheidend? Der wichtigste Wendepunkt ist, dass der Agrarsektor nicht weiterhin nur als Kostenstelle für Klima-, Umwelt- und Tierwohlauflagen behandelt werden sollte.
Landwirtschaft ist ein strategisches Zukunftsfeld, und genau das ist die Chance, einen Beitrag zum neuen Wirtschaftswunder leisten zu können!

Innovation und Unternehmertum: Die zentrale Handelsblatt-Botschaft lautet: Wohlstand entsteht künftig dort, wo Forschung, Kapital, Unternehmertum, Daten und praktische Anwendung zusammenkommen.

Aufbruchstimmung: Genau das braucht auch die Landwirtschaft. Aufbruchstimmung und Rückenwind! Nicht noch ein Alibi-Überlebens-Förderprogramm hier, noch eine Auflage dort und ein bisschen Digitalisierung obendrauf.

Zukunftsplan Landwirtschaft: Die deutsche Landwirtschaft braucht einen echten Zukunftsplan, der Agrar-KI, Robotik, autonome Maschinen, Züchtung, Bioökonomie, erneuerbare Energien und Datenräume als Kern einer neuen bzw. einer stärkeren landwirtschaftlichen Wertschöpfung versteht. Einen Plan, der genau diese Aktivitäten fördert. Push statt Politik-Blockaden!

Nachhaltigkeit als Leistung bewerten: Ganz entscheidend: Die Gesellschaft darf nicht mehr nur fordern. Im Gegenteil. Wer fordert, muss auch leisten. Es braucht eine Gegenleistung der Gesellschaft für messbare Nachhaltigkeitsleistungen, wobei KI- und Digitalisierung wohl die Messbarkeit erst realisierbar machen.

Beispiele für „Zukunftsplantagen der Landwirtschaft“
Der Weg für mehr Innovationen für die Landwirtschaft: Wir brauchen mehr Zukunfts-„Plantagen“ wie das Agrotech Valley Forum e. V., das Seedhouse, das Netzwerk Ackerbau Niedersachsen e. V. mit seinem Ackerbauzentrum und viele weitere.  

Handelsblatt-Lese-Tipp: Die Jubiläumsausgabe des Handelsblatts als Heft Nr. 92/2026 finden Sie hier zum Download:

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