Mit dieser provokanten Frage präsentierten sich die KTBL-Tage 2026 als Weckruf zur Transformation der Nutztierhaltung. Prof. Dr. Nicole Kemper brachte es auf den Punkt: Der Engpass liegt nicht mehr in der Erkenntnis, sondern in der Umsetzung.
Für mich heißt das: Die Zukunft der Tierhaltung entscheidet sich jetzt durch Handeln oder Nicht-Handeln von Politik, Verbänden und den landwirtschaftlichen Betrieben. In meinem Newsletter-Editorial des Eilbote Boomgaarden Verlag habe ich die Konsequenzen für die Land- und Stalltechnikbranche sowie den Landmaschinenhandel analysiert:
Politik ohne Konzept: Die Zukunft der Tierhaltung in Deutschland entscheidet sich daran, ob es gelingt, Tierwohl, Klimaschutz, Wirtschaftlichkeit und Genehmigungsrecht endlich so zusammenzubringen, dass daraus praxistaugliche Perspektiven für die Betriebe werden. Die Konzepte und technischen Lösungen sind da, nur der politische (sichere) Rahmen fehlt weiterhin.
Höhere Standards kosten Geld: Höhere Tierwohlstandards, bessere Klimabilanzen und gesellschaftlich akzeptierte Haltungsverfahren sind machbar. Aber sie kosten Geld, das der Markt derzeit nicht „liefert“. Die große Frage: Woher kommt das Geld? Ohne verlässliche Finanzierung, vereinfachte Genehmigungen und Märkte, die Mehrleistungen honorieren, wird der Umbau für viele Tierhalter zum Investitionsrisiko.
Strukturwandel-Turbo: Schon jetzt sehen wir, dass die Erfolgs-Differenz zwischen erfolgreichen, meist größeren und modern aufgestellten Betrieben und der Masse an kleineren Betrieben enorm ist. Die Vorreiter haben die Kraft, in die geforderte Modernisierung zu investieren, die Nachläufer fallen weiter ab. Und die Motivation gerät ebenfalls unter die Räder.
Brisanz für die Land- und Stalltechnik: Wenn die Tierhaltung unter Druck gerät, geraten auch die Investitionen unter Druck. Wenn Ställe nicht um- oder neugebaut werden (dürfen), fehlt auch der Nachfrage- und Entwicklungs-Impuls für die Stall-, Fütterungs- und Melktechnik.
Chancen durch Stallbauten: Andererseits wird die Nutztierhaltung 2035 für mehr Tierwohl, weniger Emissionen und bessere Leistungen immer weniger in jahrzehntealten Ställen stattfinden (können).
Chancen für Land- und Stalltechnik: Die Hofarbeiten werden für mehr Effizienz und einen geringeren CO2-Fußabdruck immer weniger mit dieselbetriebenen Maschinen erledigt werden, während gleichzeitig die Mechanisierung, Automatisierung und Digitalisierung in Stall und Hof weitere kräftige Sprünge machen werden.
Spannende Perspektiven trotz starkem Wandel: Damit tun sich für die Landmaschinen- und Stalltechnikbranche gute Perspektiven auf, vor allem in Regionen, in denen die Tierhaltung auch jetzt schon gut aufgestellt ist. Aber die gesamte Branche braucht einen Rahmen, in dem zukunftssicher investiert werden kann. Darin besteht der größte Handlungsbedarf.