Zukunft des Traktor 2035: Autonom oder elektrisch – oder gemischte Flotte?

Dirk Gieschen
Welche Technik prägt die Landtechnik von morgen? Das Kommentar wirft einen Blick auf mögliche Trends und Entwicklungen bei Traktoren bis 2035 und ordnet ein, welche Antriebe und Technologien künftig besonders relevant werden könnten.

Dirk Gieschen

Agrarexperte und Berater

„Traktor – wie sieht Deine Zukunft 2035 aus? Immer stärker als Standardtraktor, autonom fahrend oder wirst Du vom Roboter abgelöst? Was bedeuten diese Entwicklungen für Handel und Hersteller?“ Diese Frage hat Dirk Gieschen in einem Kommentar in der Ausgabe Nr. 19-20/2026 der Landtechnik-Fachzeitschrift „eilbote“ diskutiert.

Der Einstiegsgedanke: „Der Landtechnikmarkt wird sich bis 2035 stark wandeln hin zu vernetzten, teils autonomen Maschinenflotten mit erneuerbaren Antrieben. Dabei bleiben für landwirtschaftliche Betriebe vor allem Zuverlässigkeit, Servicekompetenz und frühzeitige Anpassung an neue Technologien entscheidend.“

Der Kommentar im Original:

„25.719 Schlepper wurden 2025 in Deutschland neu zugelassen. Wie wird das Marktbild im Verkaufsjahr 2035 aussehen? Werden dann immer noch so viele klassische Schlepper mit immer mehr PS, immer mehr Gewicht und mit immer breiteren Arbeitsgeräten verkauft und in den Landmaschinenwerkstätten gewartet werden?

Noch stärker oder anders? Oder teilen sich 2035 Traktoren, Agrarroboter und andere autonome Landmaschinen den Markt zu gleichen Teilen? Ackern Roboter und „Autonome“ allein wie bisher der Schlepper oder im Schwarm? Wie werden diese „Arbeitstiere“ dann angetrieben? Klassisch mit Diesel, mit erneuerbaren Antriebsenergien, elektrisch oder gleich mit dem Solarpanel? Wer fährt oder managt diese Maschinen, wenn Personal knapp wird?

Schneller Technikwandel: Meine Prognose – der Wandel kommt schnell. 2035 werden wir vor allem in Profi-Betrieben technisch gemischte Flotten auf den Äckern sehen: leistungsstarke Großtraktoren und Erntemaschinen für die schweren Arbeiten, daneben autonome Einheiten und Roboter, die parallel im optimalen Zeitfenster einfachere Vorarbeiten, das Hacken oder die Bodenbearbeitung übernehmen. Als Schwarm vernetzt, vom Schreibtisch oder Leit-Schlepper aus gemanagt. Und mit verschiedenen erneuerbaren Antriebsenergien betrieben.

Zuverlässigkeit statt Vision: Egal welche Technik auf den nächsten Agritechnicas neu vorgestellt wird: Landwirte kaufen weder nur Eisen noch eine Vision, sondern Maschinen, die störungsfrei laufen, die wirtschaftlich sind und die die nötigen Arbeiten fachgerecht erledigen. Das heißt auch: Der Schraubenschlüssel bleibt wichtig, aber im After-Sales wird die Sicherstellung der mechanischen wie auch der digitalen Einsatzbereitschaft zum Schlüsselfaktor.

Vertrieb & Service: Ob Autonomie, Hochvolt oder Schwarm-Vernetzung: Für die Landmaschinenbetriebe vor Ort wird entscheidend sein, dass Vertrieb und Service weiter über sie laufen. Das müssen die Hersteller und neue Startup-Player in ihrer Strategie auch wollen. Und Ihr Verkaufs- und Werkstatt-Team muss diese Technik kennen und können, um weiterhin ein kompetenter Partner für Hersteller, Lohnunternehmen und Profi-Landwirte sein zu können.

Technikblick schärfen: Schärfen Sie deshalb schon jetzt das Interesse und das Verständnis Ihres Teams für die Technik-Trends. Nehmen Sie Ihre Kollegen mit auf diese Reise in die Zukunft der Landtechnik, vor allem die jungen Nachwuchskräfte, für die die neuen Techniken eine besondere Faszination ausüben. Das motiviert. Die anstehenden Feldtage der DLG, der Landwirtschaftskammern und -ämter sowie der Hersteller bieten diese Chance. Nutzen Sie sie, denn das ist Zukunftssicherung.“

Termin-Tipps:

Zwischen Acker und App: Möglichkeiten der Digitalisierung im Pflanzenbau: Feldtag der Landwirtschaftskammer Niedersachsen am 03. Juni 2026, Domäne Schickelsheim bei Königslutter.
Mehr Infos : Zwischen Acker und App: Möglichkeiten der Digitalisierung im Pflanzenbau : Landwirtschaftskammer Niedersachsen

DLG-Feldtage vom 16. – 18. Juni 2026 in Bernburg: Mehr Infos hier: DLG-Feldtage – Das Festival des Pflanzenbaus

Fördermittel-Tipp: Neues Förderprogramm der Rentenbank:

Die Landwirtschaftliche Rentenbank und das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat starten ein neues Förderprogramm zur Unterstützung innovativer nachhaltiger Antriebstechnologien für Landmaschinen. 

Antragsberechtigt sind Unternehmen der landwirtschaftlichen Primärproduktion, darunter Betriebe aus Landwirtschaft, Garten- und Weinbau, landwirtschaftliche Lohnunternehmen, gewerbliche Maschinenringe sowie entsprechende Maschinengemeinschaften. Voraussetzung ist die Einstufung als kleines oder mittleres Unternehmen (KMU) gemäß EU-Definition.

Gefördert werden Investitionen in mobile Maschinen mit elektrischem Antrieb sowie in Technologien zur Nutzung erneuerbarer Biokraftstoffe. Dies umfasst sowohl Maschinen der Innenwirtschaft (z. B. autonom arbeitende Futterschieber) als auch Landmaschinen der Außenwirtschaft und Feldroboter. 

Rentenbank und BMLEH starten Förderprogramm „Alternative Antriebssysteme“ – Steinbock: „Wir müssen Innovationen in die breite Anwendung bringen und so die Wettbewerbsfähigkeit der Agrarwirtschaft stärken“

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